Väter machen stark fürs Leben

Was Söhne und Töchter von ihren Vätern brauchen

 

Väter haben es schwer. Während vor nicht allzu langer Zeit die Aufgaben eines Vaters in der Familie gemeinhin noch klar definiert und kaum verhandelbar waren, stehen Väter heute vor vielfältigen Anforderungen, die der Arbeitgeber, die öffentliche Meinung, die Ehefrau, die Kinder und natürlich sie selbst an sich stellen. Eine Orientierungshilfe bei der Frage, was ein guter Vater seinen Kindern vermitteln soll, bietet das kurze Buch „Mach mich stark fürs Leben“ von John Eldredge.

Laut Eldredge, selbst Vater von drei Söhnen, haben Väter im Leben ihrer Kinder eine kaum zu überschätzende Rolle. Er unterscheidet dabei zwischen der Beziehung Vater - Sohn sowie Vater-Tochter.

 

 

Vater und Sohn

 

„Jeder kleine Junge stellt im Wesentlichen eine einzige Frage. In allem was er tut, lässt sie sich vernehmen“, schreibt er. Und die Antwort auf diese Frage erwarte der Sohn von seinem Vater.

Was tun Jungen? Jungen lieben Abenteuer. „Sehen Sie sich an, welche Geschichten Jungen lieben, welche Spiele sie spielen. Immer geht es um Kämpfe und Abenteuer und Gefahren.“ Auch wenn sie älter würden, bliebe dieses Muster erhalten: Sich im Sport, im Wettkampf beweisen, der Erste sein. „Jeder Junge möchte ein Held sein. Jeder Junge möchte stark sein, gefährlich. Und er will wissen: Hab ich das Zeug zu einem echten Mann? Kann ich es packen, wenn es darauf ankommt?“ Der Sohn wolle seinen Vater beeindrucken, erklärt Eldredge, und von ihm die Antwort bekommen: „Du bist ein echter Kerl!“

 

 

Vater und Tochter

 

 

Mädchen stellen eine ganz andere, aber nicht weniger grundlegende Frage, heißt es im Buch weiter. Auch die lasse sich in ihren Spielen ablesen. „Spiele, die Mädchen sich ausdenken, sind Spiele, in denen Beziehungen wichtig sind.“ Hochzeit, Prinzessin, Ballettschule, Vater - Mutter - Kind seien typische Mädchenspiele. Würden sie älter, telefonierten sie stundenlang und die Entscheidung, was sie zum Abschlussball anzögen, entscheide das halbe Leben. „Siehst du mich?, fragt das Herz jedes Mädchens, und bist du entzückt und bezaubert von dem, was du siehst?“ Und auch sie erwarte die Antwort darauf von ihrem Vater.

 

 

Was ein Vater wissen muss

 

Eldredge schreibt keine große theoretische, wissenschaftliche Abhandlung, sondern fordert ganz praktisch auf: „Antworten Sie Ihrem Sohn: ‚Ja, du hast das Zeug zu einem ganzen Kerl.‘ Und Ihrer Tochter: ‚Ja, du bist einfach bezaubernd.‘ Geben Sie diese Antwort tausend Mal auf tausend verschiedene Weisen. (…) Wenn Sie das tun, haben Sie Ihren Job als Vater exzellent gemacht.“ Und zwar gelte das lebenslänglich. Auch einem erwachsenen Mann täte es gut, von seinem Vater zu hören: „Du bist ein tüchtiger Kerl. Du packst das.“ Und eine Tochter sei nie zu alt für: „Ich bin stolz, dich als Tochter zu haben. Du bist einfach wunderbar.“

Als Vater sei man der mächtigste Mann der Welt - in der Welt seiner Kinder. Der Vater verleihe ihnen ihre Identität. Das, was er tut, hinterlasse tiefe Spuren im Leben seiner Kinder. Positiv wie negativ. Denn solange der Sohn nicht wisse, ob er ein Mann sei, werde er versuchen zu beweisen, dass er einer ist. Und er werde vor jeder Aufgabe zurückschrecken, die offenbaren könnte, dass es ihm an Mumm fehle.

Bekomme die Tochter nicht die ihr fehlende Bestätigung von ihrem Vater, so würde eine Mehrzahl versuchen, sie von irgendeinem anderen Mann zu bekommen. „Im Hintergrund sexueller Promiskuität unter Teenagern steht fast immer ein ‚abwesender Vater‘“, so Eldredge.

 

Wenn aber der Vater seine Kinder immer wieder spüren lasse, wie sehr und bedingungslos er sie liebe, wenn sein Sohn wüsste, dass er ein Kerl „aus dem richtigen Holz“ sei und die Tochter sich sicher sein könnte, dass sie „jeden Einsatz wert“ sei, „dann haben wir unsere Aufgabe als Väter mit Bravour erfüllt. Und das kann jeder Vater tun. Aber nur Sie können es für Ihre Kinder tun. Es liegt an Ihnen. Hier müssen Sie Ihren Mann stehen. Und Sie werden es schaffen.“

 

 

 

John Eldredge: "Mach mich stark fürs Leben. Was nur Väter ihren Kindern geben können". Brunnen-Verlag, Gießen. 2005.