Die Familie – 2. Mutter (7.1.2015)

Wir setzen die Katechese über die Familie fort, und in der Familie finden wir die Mutter. Jeder Mensch verdankt sein Leben einer Mutter, und fast alle verdanken ihr auch einen Großteil ihres späteren Werdegangs, ihrer menschlichen und geistigen Formung. Die Mutter wird viel besungen, viele schöne Gedichte sind ihr gewidmet worden – im Alltag jedoch hört man wenig auf sie und lässt ihr wenig Hilfe zukommen; ihre zentrale Rolle in der Gesellschaft wird wenig anerkannt. 

Oft wird die Bereitschaft der Mütter, sich für ihre Kinder aufzuopfern, geradezu ausgenutzt, etwa wenn an den Sozialausgaben „gespart“ wird. Auch in der christlichen Gemeinde kommt es vor, dass die Mutter nicht gebührend beachtet wird, dass man wenig auf sie hört. Und doch steht im Mittelpunkt des Lebens der Kirche die Mutter Jesu. Vielleicht sollte man mehr auf die Mütter hören, die für ihre Kinder – und nicht selten auch für die Kinder anderer – zu so vielen Opfern bereit sind. (…)

Mütter sind das stärkste Heilmittel gegen den egoistischen Individualismus. „Individuum“ bedeutet „das Unteilbare“; etwas, das man nicht teilen kann. Mütter hingegen „teilen sich“; angefangen von dem Augenblick, wenn sie ein Kind in sich tragen, um es in die Welt zu setzen und aufzuziehen. Die Mütter sind es, die den Krieg am meisten hassen, denn er tötet ihre Kinder. Ich habe oft versucht, mir die Mütter vorzustellen, die jenen furchtbaren Brief erhalten: „Wir teilen Ihnen mit, dass Ihr Sohn für das Vaterland gefallen ist…“ Die armen Frauen! Wie sehr leidet eine Mutter! Sie sind es, die Zeugnis ablegen von der Schönheit des Lebens. Erzbischof Oscar Arnulfo Romero sagte, dass Mütter ein „mütterliches Martyrium“ erleben. In einer Predigt zur Beerdigung eines von den Todesschwadronen ermordeten Priesters sagte er: „Alle müssen wir bereit sein, für unseren Glauben zu sterben, auch wenn der Herr uns diese Ehre nicht zuteilwerden lässt… Sein Leben hinzugeben bedeutet nicht nur, getötet zu werden; es bedeutet Opferbereitschaft; man kann sein Leben geben, indem man täglich seiner Pflicht nachgeht, im Stillen, im Gebet, in ehrlicher Pflichterfüllung; so gibt sein Leben Stück für Stück hin. So, wie eine Mutter es hingibt, die ohne Furcht und mit der Selbstverständlichkeit des mütterlichen Martyriums ein Kind empfängt, es zur Welt bringt, es ernährt, großzieht und liebevoll pflegt. Auch so gibt man sein Leben. Auch das ist Martyrium.“ (…) 

Mütter sind das stärkste Heilmittel gegen den egoistischen Individualismus. „Individuum“ bedeutet „das Unteilbare“; etwas, das man nicht teilen kann. Mütter hingegen „teilen sich“; angefangen von dem Augenblick, wenn sie ein Kind in sich tragen, um es in die Welt zu setzen und aufzuziehen. 


Eine Gesellschaft ohne Mütter wäre eine unmenschliche Gesellschaft, denn Mütter haben die Kraft, immer, auch in den schwierigsten Augenblicken, ihre Zärtlichkeit, ihre Hingabe und ihre moralische Kraft zu bezeugen. Oft geben die Mütter auch den tieferen Sinn der religiösen Praxis weiter: die ersten Gebete, die ersten frommen Gesten, die ein Kind erlernt, tragen in sich den Glauben an das Leben des Menschen. Diese Botschaft können gläubige Mütter ohne viele Worte vermitteln: die Erklärungen werden später kommen, aber der Same des Glaubens liegt in diesen ersten kostbaren Momenten. (…)

 

Liebe Mütter, habt vielen, vielen Dank für das, was ihr in der Familie seid und was ihr der Kirche und der Welt gebt. Und auch dir, geliebte Kirche, danke, danke, dass du Mutter bist. Und dir, Maria, Mutter Gottes, danke, dass du uns Jesus zeigt. Ein Dankeschön auch an alle Mütter, die heute hier anwesend sind: wir wollen sie mit einem schönen Applaus begrüßen!

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